Da hat mich der Johannes gefragt, ob ich nicht was zu Kanye West, dem Album The Life of Pablo und dem ganzen drumherum schreiben mag. Und nun sitz ich hier und mach das einfach mal. Vorneweg, ich mag Kanye. Sehr. Aus unterschiedlichen Gründen. Find ich alles gut was er macht und sagt? Nein. Aber fast alles. Auch wieder aus unterschiedlichen Gründen. ;)

Don’t believe the Hype AKA das ganze Drumherum

TPOFSeit über einem Jahr bekommen wir nun kleine Bestandteile des Albums serviert, das einmal So God Help Me, lange Swish, kurzeitig Waves und nun The Life of Pablo heisst. Einen Titel hier. Einen Track da. Neben dem Fakt das klappern zum Handwerk gehört, sehe ich das Ganze einfach als einen sehr öffentlichen Schaffensprozess an. Durch soziale Netzwerke und ungefiltert bekommen Fans und Fanboys mit wer im Studio ist, wer eventuell auch auf einem Track ist und wer vielleicht das Cover gestalten darf. Ich find das gut. Und wer es nicht gut findet, der kann es auch einfach ignorieren. Ist ein Fakt. Und auch relativ einfach.

Ansonsten, wenn ich mich aufregen will … dann finde ich auch was. Beispielsweise diese Geschichte um David Bowie. Angeblich wollte Ye ein Album mit Songs von Bowie aufnehmen. Hat mal jemand gesagt. Gar nicht mal er selber. Aber gab sofort ne Onlinepetition dagegen. Da pack ich mir an den Kopf und frag mich warum interessiert es einen?! Wenn ich das für Frevel halte, dann hör ich es mir halt nicht an. Und nebenher, die musikalischen Helden dieser Menschen werden regelmässig jedes Wochenende von untalentierten Coverbands (ok, das war jetzt provokativ… gibt auch gute Coverbands, keine Frage) musikalisch vergewaltigt. Wo ist da denn der Protest? Interessiert auch keinen. Ist auch gut so. Macht  aberauch nicht so viel Spaß sich darüber aufzuregen.

Believe the Hype AKA die Musik

Und nun kommen wir zum eigentlichen Part, dem Album The Life of Pablo. Unter allem Getöse und Marketing gibt es erneut ein erstklassiges Album. Meine Meinung. Und durchaus geteilt von diversen Medien (z.B. Complex und Pitchfork), mit Argumenten die ich auch anbringe(n würde). Am Ende ist aber auch gerade Musik mehr noch als andere Kunst eine sehr subjektive Sache. Ich kann vollkommen nachvollziehen das für den normalen Radiohörer vielleicht ein paar Tracks überbleiben und andere Menschen das Album gar nicht verstehen werden. So geht es mir auch mit einem Album von Herbie Hancock. Und ich glaub schon dass der was kann und so, kein Thema. Ich versteh es nur nicht. Muss ich auch nicht. Wer Ye versteht, der bekommt hier ein interessantes Album. Es ist in meinen Augen keine runde Sache (wie My Beautiful Dark twisted Fantasy und Yeezus) in sich selber, aber eine allgemein sehr runde Sache – da bekommt man auch Lust aufs Vinyl – als Album an sich. Besonders wenn man das bis dahin sechs Alben umfassende Gesamtwerk kennt. Bei TLOP bekommt man fast jeden Kanye. Den Industrial-Kanye, den Soulful-Kanye, den Sample-Kanye, den Freestyle-Kanye, den Religion-Kanye und den Personal-Kanye. Und noch ein paar andere Kanyes dazu. Nachdem ich dieses verstanden hatte, da hatte ich ein tolles Album in meinen Ohren. Vorher, bei der Präsentation der Yeezy Season 3 (die Vorstellung seiner Modelinie, gepaart mit einer Album-Releaseparty), hatte ich das Gefühl es passt nicht alles zusammen. Das sind einzelne Tracks, das ist kein Album. Das seh bzw. höre ich nun anders.

GOODfridaysBin ich ganz zufrieden? Nein. Ich finde die Bonustracks hätte man sich sparen können. Nicht weil diese schlecht sind, ganz im Gegenteil. Obwohl Facts hat auch nix auf einem Album zu suchen. So oder so. Aber generell bin ich kein Freund davon mit Bonustracks ein Album zu befüllen. In diesem Fall hätte Ye auch einfach die Tradition der GOOD Fridays weiterführen und die Tracks einzeln neben dem Album veröffentlichen können. Die GOOD Fridays waren bereits bei MBDTF Bestandteil des Schaffensprojektes für das Album. An Freitagen davor wurden Tracks frei veröffentlicht und ein paar haben es damals auch aufs Album geschafft. Diesmal hatten wir nur drei Stück, von denen nur Real Friends auf TLOP, also vor den Bonus Tracks, gelandet ist. Daher ist es auch nicht mehr im Soundcloud von Ye abrufbar. Aber dort sollen demnächst noch mehr Tracks auftauchen, die guten Freitage fangen diesmal anscheinend erst nach dem Release an. Ich freu mich. Und beende diesen Text mit dem aktuell letztem Tweet von Ye:  „All positive energy“. Das unterschreib ich so. Jeden Tag. Alles gut.

[soundcloud url=“https://api.soundcloud.com/tracks/242539038″ params=“auto_play=false&hide_related=false&show_comments=true&show_user=true&show_reposts=false&visual=true“ width=“100%“ height=“450″ iframe=“true“ /]

BONUSTEXT

Das „manN“ im Titel des Reviews war übrigends extra und bewusst gewählt. Ich hab über die Jahre hinweg gemerkt das Ye und seine Musik (und auch Mode und was auch immer) eine sehr „männliche“ Sache ist. Hab tolle Gespräche über die Thematik geführt. Immer mit Männern. Schräg. Und die Übertragung der Yeezy Season 3 habe ich Nachts an einem Donnerstag in einem Kino in Essen geguckt. Es war ordentlich voll und da waren zu 90% Männer. Fast alle rausgeputzt, als ob es gleich noch in einen Club oder auf einer Veranstaltung geht. Ist mir direkt aufgefallen und fand ich schräg. Kann manN also auch mal erwähnen.

Show CommentsClose Comments

Leave a comment