Lies was Du willst – Du bist der bessere Algorithmus

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Zum neuen Jahr wünsche mir ein Internet, dass aus Blogs, Newslettern, gut recherchierten Inhalten, persönlichen Empfehlungen und weniger aus Inhalten besteht, die mir von einem Algorithmus oder Unternehmen als relevant und interessant ausgewiesen werden. Ein paar Tools und Kniffe können helfen, weniger vorgekaute Inhalte über Timelines und Algorithmen sondern mehr individuellen Content zu konsumieren.

Der Anstoß für diesen Blogbeitrag kam Ende des vergangenen Jahres und der Jahresbeginn eignet sich hervorragend für einen motivierenden Blogpost und evtl. dazu mit Ideen für Vorsätze und Ziele in das neue Jahr zu starten. Ende des Jahres veröffentlichten Foster Kamer und Jason Kottke Artikel, die sich damit befassen, wie die beiden in 2018 Inhalte im Netz konsumieren wollen. Beide empfehlen, sich von Diensten zu trennen, die Inhalte per Algorithmus aufdrängen und stattdessen auf den eigenen Geschmack zu vertrauen. Ihr Aufruf: Nutzt Bookmarks, z.B. im Browser und surft darüber gezielt Webseiten und Blogs an. Lest die Dinge, die Euch interessieren und nicht die, die gerade von einem Algorithmus als beliebt oder populär markiert oder wegen entsprechender Finanzierung in Eure Timeline gespült werden. Die Umsetzung ist simpel lässt sich mit ein paar Tools dazu noch komfortabel gestalten. Daher folgt hier in Kürze eine Darstellung der Herangehensweise, wie ich bereits Inhalte im Web konsumiere und 2018 verstärkt tun werde.

RSS-Feeds

Zunächst einmal ist RSS nichts anderes als ein Dateiformat, dass Inhalte und Änderungen von z.B. Webseiten strukturiert und abrufbar darstellen kann. Really Simple Syndication eben. Viele Webseiten bieten die Möglichkeit an, über sogenannte RSS-Feeds Inhalte wie z.B. Artikel, Audio oder Video zu abonnieren. Das geht über entsprechende Tools oder Dienste im Web oder als App auf dem Rechner, Tablet oder Smartphone. Seit dem Untergang des hauseigenen RSS-Readers von Google, ist der Dienst Feedbin (Link) das von mir bevorzugte Tool um Blogs und Nachrichten zu konsumieren. Feeds können abonniert und gruppiert werden. Der Abruf der Webinhalte erfolgt automatisch im Hintergrund. Ein simpler Weg um unterwegs zu lesen, Videos zu schauen oder Podcasts zu hören. Neben Feedbin gibt es noch diverse andere Dienste, die sich mit iOS und Android-Apps koppeln lassen, um auch bequem von unterwegs auf Inhalte zugreifen zu können.

Sortierte Feeds in Feedbin

Bookmarks

Die längste Zeit habe ich Bookmarks in der Lesezeichenleiste des Browsers gesammelt. Diese konnten mit der Zeit synchronisiert und auf diversen Geräten verfügbar und aktuell gehalten werden. Da ich gerne mal den Webbrowser oder das Gerät wechsle, habe ich einige Zeit den Dienst Delicious genutzt. Lesezeichen konnten mit Tags versehen und so besser durchsuchbar gemacht werden. Mittlerweile hat sich Pinboard (Link) als Bookmarkingdienst durchgesetzt. Pinboard verfügt auch über eine Read Later Funktion, die sich beim Speichern des Links auswählen lässt. Verzichtet man auf das Häkchen, landet der Artikel im Archiv. Die Leseliste von iOS aber auch Tools wie Refind (Link) erfüllen einen ähnlichen Zweck, ohne kostenpflichtiges Abonnement.

Newsletter

Wenn dann doch die Zeit, Motivation oder das Interesse fehlen, nur auf eigens selektierte Inhalte zurückzugreifen, dann können Newsletter eine Chance sein, auf neue Inhalte oder Themen aufmerksam zu werden. Blogs, Verlage, Nachrichtenseiten etc. bieten Newsletter in jeglicher Qualität an. Die Vielfalt lässt zu, dass man sich für interessante und passende Formate entscheiden kann. Newsletter die eine klare Ausrichtung haben, bringen meiner Erfahrung nach pro Ausgabe mindestens einen Link mit, dem ich weiter nachgehe bzw. über den ich neue Musik, Texte oder Videos entdecke. Seit einiger Zeit lassen sich, dank einer integrierten Mailadresse, in Feedbin auch Newsletter abonnieren. Der Posteingang der Mails, die eine Reaktion oder Antwort erfordern, bleibt vom Nachrichtenstrom weitgehend unberührt.

Messenger

Immer häufiger stoße ich auf die Option, Inhalte per Messenger zu abonnieren. Für den persönlichen Austausch von Kurznachrichten schätze ich diese Dienste sehr. Für den Nachrichten- und Medienkonsum haben sich diese Tools für mich nicht bewährt. Vielleicht übersehe ich ja auch noch den entscheidenden Vorteil. Empfehlungen sind willkommen.

Und die Moral von der Geschicht…

…gute Inhalte vergisst man nicht. Sobald ich mich auf externe Dienste, ohne eine entsprechende Datensicherung, verlasse, riskiere ich, dass das dahinterstehende Startup oder Unternehmen evtl. kein Interesse mehr am Produkt (siehe Google Reader) oder kein durchdachtes Finanzierungsmodell im Hintergrund hat. Die Finanzierung ist dabei nicht nur für die Plattformen auf denen Inhalte dargestellt oder gesammelt werden ein Thema. Artikel, Podcasts oder Videos, insbesondere journalistische, gut recherchierte Inhalte, wollen finanziert werden. Diverse Tools und Dienste, um Projekte oder Autoren finanziell zu unterstützen, haben sich bewährt oder stecken noch in den Kinderschuhen. Worum es jedoch geht ist, dass die Erstellung gut recherchierter und kuratierter Inhalte Zeit frisst. Aus Freizeitprojekten sind Teilzeit- und Vollzeitjobs geworden. Die wollen finanziert werden. Daher zum Abschluss die Empfehlung dieses Artikels im Social Media Watchblog, in dem Martin Giesler die wesentlichen Punkte für gut recherchierte Inhalte auf den Punkt bringt. Die erste Empfehlung eines Newsletters dürfte damit auch geklärt sein. Weitere Empfehlungen folgen verteilt über das Jahr 2018. Bis dahin: Lies was Du willst – Du bist der bessere Algorithmus

Update

Kiki hat drüben im e13 Blog sehr schön zusammengefasst, wie es aus Sicht einer Bloggerin um die Sache mit dem Content und den Algorithmen im Netz steht. Einen Newsletter gibt es drüben ebenfalls.

Johannes

Entdeckte nach Jahren am Klavier die Tastatur als Instrument zum Bloggen. Lebt, liebt und schreibt seitdem über Musik (wenn handgemacht, dann am Klavier) und interessiert sich für Fotografie, Gadgets, Reisen und Netzfundstücke.

9 comments

  1. Schön geschrieben Johannes und die Algos können uns mal. Btw. die neue Tapete hier gefällt mir auch sehr gut. Nur die Links in den Artikeln sind etwas schwer erkennbar, wenn Du nicht kontinuierlich (Link) dahinter schreibst.

    1. Ich danke Dir. Muss noch an den Theme Einstellungen feilen. Danke für die Info.

  2. Trifft den Nagel auf den Kopf. RSS ist einfach unersetzlich für mich. Grad mal nachgeschaut: bei Feedly hab ich aktuell 418 Quellen im Abo.

    Überhaupt ist der Ansatz, selbst zu kuratieren, der Hauptgrund, weshalb ich vor 18 Jahren mit dem Bloggen überhaupt angefangen habe. Ich wollte eine eigene Sammlung der Sachen, die ich toll finde. Für mich und um meinen Freunden einen einzelnen Link geben zu können.

    Meine (fast) wöchentliche Lesestoff-Sammlung bei mir im Blog mach ich ja nu auch schon seit über 150 Ausgaben und primär ist es mein persönliches Best Of der unter der Woche verschlungenen Buchstaben. Und warum nicht teilen?

    1. Teilen ist gut, selbst kuratieren ebenfalls. Wäre ja eigentlich mal spannend, in die Untiefen der Feedreader-Abos zu schauen. :) Feedbin wirft da auch eigentlich recht spannende Statistiken aus.

  3. Hallo Johannes,

    interessanter Artikel und mir ein Anliegen seit jeher. Da ich es selbst sehr ineffizient finde manuell auf Seiten zu surfen, habe ich mir seit Jahren schon ein um RSS kreisendes Setup gebaut.

    Habe ich 2015 hier beschrieben, geändert hat sich seither nichts daran: https://www.blogrebellen.de/2015/10/05/nicht-einfach-aber-moeglich-so-bekommst-du-die-informationsflut-im-netz-unter-kontrolle/ (nein, der Titel ist nicht von mir, aber mein Titel war Peter wohl nicht fancy genug ;)

    Schlagt sicher nicht 100% in deine Kerbe hier, aber ich dachte es passt ganz gut dazu.

    Cheers
    Thomas

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