Haben wir noch eine Chance auf ein Netzwerk, dass nicht auf Algorithmen, das Sammeln von Daten oder eine Profilierung als Werbeplattform setzt? Die Macher von Vero haben sich auf die Fahne geschrieben, genau diese Aspekte im Sinne der Nutzer umzusetzen. Es folgen drei Gedanken zu einem sozialen Netzwerk, dass seit Tagen im Netz von sich reden macht.

Veni

Algorithmen verderben den Spaß am Social Web. Timelines verlieren ihre chronologische Ordnung. Uralte, aktuelle Meldungen und Beiträge die überholt sind und einer Aktualisierung bedürfen verschwimmen zu einer grauen Masse. Immer wieder plöppen daher Alternativen, sogenannte *hier beliebiges Netzwerk einfügen*-Killer auf. Nach App.net, Ello, Mastodon und Co wird nun Vero als Instagram-Killer durchs Netz gejagt. Hier und da hatte ich davon gelesen, es als optisch ansprechend eingestuft und mich mit meinem Alter Ego für Fotografie Óvegur.is dort angemeldet.

Vero

Vero ist ein soziales Netzwerk, dass es ermöglicht, Fotos oder Aktivitäten oder Musik, Bücher und Filme die man zuletzt konsumiert hat oder schätzt, zu teilen. Die Plattform wird mit dem Slogan True Social beworben. Am deutlichsten erkennbar wird dieser Aspekt in den Einstellungen zur Privatsphäre. Beiträge können entweder mit engen Freunden, Freunden, Bekannten oder Followern geteilt werden. Eine Eingruppierung in diese vier Stufen ist bei der ersten Vernetzung möglich und kann nach Bedarf angepasst werden. Veröffentlichte Beiträge werden in Collections, nach Beitragstyp, zusammengefasst. Für die erste Million an Nutzern ist und bleibt die Nutzung des Netzwerkes demnach kostenlos. Für alle folgenden Nutzer soll ein kleiner Unkostenbeitrag erhoben werden. In welcher Höhe ist noch unklar. Vero will werbefrei bleiben, die Timeline chronologisch halten und (sofern es die Server gerade zulassen) die veröffentlichten Beiträge in Echtzeit anzeigen. Ausführlichere Infos gibt es in diesem Manifest.

Privatsphäre per Swipe

Veto

Was soll nun das Veto? Ob es zum Vici kommt, bleibt abzuwarten. Selbst Analysten dürften dies zum jetzigen Zeitpunkt nicht einschätzen können. Mein Veto geht daher gegen einen verfrühten Abgesang auf eine noch junge Plattform. Die großen Netzwerke werden im Rennen bleiben. Dazu haben wir mit unserer Anwesenheit und der Duldung von Algorithmen und Werbefinanzierung beigetragen. Vom zweifelhaften Erfolg von Ello, App.net oder ähnlichen Diensten auf generelle Zukunftschancen von frischen Netzwerken zu schließen, halte ich jedoch nicht für angemessen. Ich kann mich in Fast-Food-Ketten vollstopfen oder von der Freundlichkeit und dem Ideenreichtum des Burgerbräters um die Ecke inspirieren lassen. Satt werde ich in beiden Fällen irgendwie. Möglicherweise verschwindet die kleine Burgerbraterei irgendwann. Besseres Essen habe ich wohl trotzdem im unabhängigen Betrieb bekommen.

Die Moral von der Geschicht?

Interessierst Du dich für soziale Medien, Netzwerke und Startups? Dann schau Dir Vero einfach an. Ein Account lässt sich im nu anlegen und auch wieder deaktivieren. Wenn es Dich gar nicht interessiert, lass es bleiben. Ich habe mir abgewöhnt über jedes Netzwerk, dass mich nicht interessiert im Netz zu meckern.

Mein kurzes Fazit nach wenigen Tagen der Nutzung: Ich habe nette Kontakte geknüpft, alte erneut verknüpft (es gibt so etwas wie eine Gruppe an früh adaptierenden Menschen, ähnlich der donnerstagsmorgensvormDiscounter-Gruppe, die sich bei Gründung neuer Netzwerke einfindet) und freue mich auf die Weiterentwicklung der Plattform. Zeit die ich in Vero stecke, ist ebenso verschwendet wie jene, die ich in alle anderen Netzwerke stecke. Ich bleibe entspannt und neugierig. Bloß die Server sollten stabiler werden. Daran wird aber schon gearbeitet.

https://twitter.com/verotruesocial/status/967511842271744000

Vero – True Story

Vero gibt es derzeit für iOS und Android.

 

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