Ich möchte mit einer positiven Nachricht beginnen: 30 Jahre nachdem, dank der Erfindung von Tim Berners Lee, das WWW an den Start gegangen ist, sitze ich hier und schreibe einen Text in eben jenes World Wide Web. Nach wie vor formatiert durch HTML und verschönert durch CSS. Doch wie war das denn noch gleich vor 30 Jahren…

Tim Berners Lee und das CERN

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kernforschungsinstitut CERN arbeiteten an verschiedenen Standorten, daher nahm sich Tim Berners Lee 1989 der Herausforderung an, eine Idee zu entwickeln, die eine Vernetzung und Abrufbarkeit der Rechner innerhalb des CERN möglich machen sollte. Unsauber zusammengefasst wurden in diesem Prozess die Idee eines Webservers, der Hypertext Markup Language (kurz HTML) und eines Webbrowsers entwickelt. Zunächst diente die Entwicklung dieser Elemente nur dem internen Gebrauch, konnte jedoch leicht auf die bestehende Struktur des Internets übertragen werden.

Gute Sache, oder?

Nun haben wir 2019 und tippe ich also, mit den Gedanken in der Vergangenheit und einem skeptischen Blick auf die Zukunft, diesen Text in das Textfenster im Webbrowser, der die Zeichen in HTML auf einen Webserver schreibt und über das World Wide Web abrufbar macht und muss lesen, dass Berners Lee nun gar nicht mehr so zufrieden mit den Entwicklungen rund um seine Erfindung ist. Aber warum eigentlich?

Werbung, Fake-News und die Plattformisierung des Interwebs

Pünktlich zum Jubiläum des World Wide Web hat Berners Lee einen offenen Brief mit Gedanken zu aktuellen Entwicklungen in eben diesem veröffentlicht. Er erinnert daran, dass das WWW ein Gut ist, um das es sich zu kämpfen lohnt. Nur so bleibt es möglich, etwas gegen Fake-News, Hate-Speech, den Missbrauch von persönlichen Daten und Zensur zu tun.

Den offenen Brief gibt es in gesamte Länge hier zum Nachlesen.

Klare Kiste – Doch was nun?

Dezentralisierung

Macht euch un- oder zumindest weniger abhängig von den großen Plattformen und sozialen Netzwerken. Es ist so einfach wie noch nie im Netz zu publizieren, Podcasts zu veröffentlichen oder auch nur auf dezentralen Plattformen Fotos mit den Freunden zu teilen. Instagram, Facebook und Co. sollten nur „Beiwerk“ zu den eigenen Plattformen sein.

Ich behalte außerdem das Projekt Solid (Social Linked Data) im Auge. Gemeinsam mit dem Massachussetts Institute of Technology arbeitet Tim Berners Lee zur Zeit an einer Software, die zur dezentralen Sammlung und Verlinkung eurer Inhalte im Web beitragen soll. Voraussetzung ist ein Zugang zu Solid-Pod auf einem Server, der bereits die Solid-Infrastruktur zur Verfügung stellt. Alle näheren Infos dazu gibt es hier.

Artikel 13

In den nächsten Wochen wird im Europaparlament über den viel besprochenen „Artikel 13“ abgestimmt. Die Umsetzung dieses Gesetzes wird die Einführung von sogenannten Upload-Filtern (siehe Erklärung auf Netzpolitik.org) mit sich bringen. Die Zeit drängt. Wir sollten daher jeden Möglichkeiten nutzen, zu demonstrieren, die Parlamentarier der EU zu kontaktieren und vor allem gut beobachten, wie sich die Politik zum Thema positioniert. Die Europawahl naht. Kontaktmöglichkeiten und Infos zu aktuellen Demonstrationen gibt es auf SaveYourInternet.eu.

Fight for your digital rights!

Und nicht vergessen: Unterstützt diejenigen, die in Sachen Netzpolitik alles dafür tun, dass wir die Möglichkeit behalten, das Internet mitzugestalten. Stellvertretend für alle Netzpolitischen Aktivist*innen seien hier lobend erwähnt: Julia Reda aka @senficon und Netzpolitik.org.

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