Kategorie: Lesestoff

Review: Zak Ebrahim – Der Sohn des Terroristen (Werbung)

Im Alter von sieben Jahren erfährt Zak von seiner Mutter, dass sein Vater ein Terrorist ist und verhaftet wurde. Unter anderem war er in die Planung des Anschlages auf das World Trade Center in New York involviert. Sein Vater ist weg. Ein Verlust, der für einen siebenjährigen nur schwer zu verkraften sein dürfte. Die Familie hat lange mit den Folgen der Handlungen des fanatischen Vaters zu kämpfen.

In seinem Buch Der Sohn des Terroristen, erzählt Zak Ebrahim aus dem Leben einer Familie, die dem Terrorismus näher war als sie es sich gewünscht hätte. Seiner Familie. Der Veröffentlichung vorangegangen war ein rund neun minütiger Vortrag im Rahmen der TED-Konferenz im März 2014. Der Vortrag berichtet aus einem Kapitel des Buches und ist im unteren Teil dieses Beitrages in voller Länge eingebettet.

I wasn't prepared for the real world. I'd been raised to judge people based on arbitrary measurements, like a person's race or religion.

1983 kam Zak Ebrahim als Sohn einer amerikanischen Lehrerin und eines ägyptischen Ingenieurs in Pittsburgh, Pennsilvania zur Welt. Sein Vater, El Sayyid Nosair, erschoß im 1990 den militanten Rabbiner Meir Kahane. Er war Gründer der Jewish Defense League sowie der Kach-Bewegung. Verurteilt wurde er in diesem Fall nicht wegen Mordes, sondern wegen Körperverletzung und dem Besitz illegaler Waffen. Der Tag seiner Verhaftung war das Datum, ab dem sich vieles im Leben der Familie verändern sollte. Regelmäßige Besuche im Gefängnis, Telefonate mit seinem Vater und vieles mehr, sollen zunächst dazu beitragen, die Familie aufrecht zu erhalten.

I stand here as proof that violence isn't inherent in one's religion or race, and the son does not have to follow the ways of his father. I am not my father.

Die von El Sayyid Nosairaus der Haft heraus geplante Sprengung einer Bombe in der Tiefgarage des World Trade Centers in 1993 brachte Zaks Mutter letztlich doch dazu, sich von Baba, wie Zak ihn immer nannte, scheiden zu lassen und mit der Familie und einer neuen Identität neu zu starten. Im Alter von neunzehn Jahren war Zak bereits zwanzig mal umgezogen. Kofferpacken, Umzüge und fehlende Freunde in immer neuen, verschiedenen Städten waren die bittere Realität aber auch Normalität im Leben von Abdulaziz El Sayyid Nosair, wie er vor der Annahme einer neuen Identität hieß. Kontakte zu Gleichaltrigen gestalteten sich wegen der Umzüge und der aus seiner Kindheit gewachsenen Unsicherheit schwer. Häufig wurde er zum Opfer von Hänseleien und Angriffen durch andere Schüler.

2000 besuchte Zak Ebrahim die Youth Convention in Philadelphia. Es war Präsidentschaftswahl und das Thema der Gruppe, an der er teilnahm war Jugendgewalt. Er kannte psychische Gewalt aus seinen Schulbesuchen und so weckte dieses Thema sehr starke Emotionen in ihm. Gegen Ende der Convention, hatte Zak Ebrahim sich mit einem jungen angefreundet, der wie sich später herausstellte Jude war. Offenheit gegenüber anderen Religionen wurde Ebrahim von seinem Vater nicht beigebracht. Umso erfreuter war er, dass er sich auf diesen Freund einlassen und die von ihm selbst erbaute Mauer an Vorbehalten einreißen konnte. Nach und nach konnte er ohne die von seinem Vater geprägten Denkbarrieren und Blockaden die Welt mit seinen Augen entdecken und hinterfragen. Diese Entwicklung zeigt sich deutlich im Verlauf der Geschichte.

Im TED eBook Der Sohn des Terroristen – Die Geschichte einer Entscheidung wird die Geschichte der nach außen zunächst völlig normal wirkenden Familie aus Pittsburgh beschrieben. Sie macht den Leser nachdenklich, gerade weil es um die Zusammenhänge von Terrorismus und Religion geht. Jedoch wird mit der entsprechenden Vorsicht und Sachlichkeit ein Thema behandelt, dass auch Jahre nach den Anschlägen auf das World Trade Center noch seine politischen und kriegerischen Bahnen nach sich zieht.

Inhaltlich soll hier nicht mehr erzählt werden. Das Lesen des Buches soll ja weiterhin Freude machen. Hinter der gesamten Geschichte steht jedoch ein wichtiges Statement:

Zitat:

Für die Opfer des Terrorismus spreche ich mich gegen diese sinnlosen Taten aus und verurteile die Handlungen meines Vaters. Mit dieser schlichten Tatsache bin ich der lebende Beweis dafür, dass Gewalt nicht in einer Religion oder Volksgruppe innewohnt und dass der Sohn nicht in die Fußstapfen des Vaters treten muss. Ich bin nicht mein Vater.

Hier geht es zum TED Talk von Zed Ebrahim.

Zak Ebrahim hat dieses Buch gemeinsam mit Jeff Giles, einem Autor aus Amerika geschrieben. Die Übersetzung aus dem Deutschen kommt von Irmengard Gabler.

Der Sohn des Terroristen ist als eBook beim Fischer Verlag erhältlich.


NY Times Artikel über die Integration von Autisten

Die Fähigkeit Dinge zu gestalten, weiterzudenken und um einiges anders aufzufassen, als es Menschen ohne Autismus möglich ist, wurde bereits in Projekten wie Drawing Autism festgehalten.

Ein aktueller Artikel, seit heute zu lesen auf NYTimes.com beschäftigt sich mit der Integration von Justin Canha, einem heranwachsenden Autisten, in alltäglichen Situationen.

“Justin, who barely spoke until he was 10, falls roughly in the middle of the spectrum of social impairments that characterize autism, which affects nearly one in 100 American children. He talks to himself in public, has had occasional angry outbursts, avoids eye contact and rarely deviates from his favorite subject, animation.  Hisunabashed expression of emotion and quirky sense of humor endear him to teachers, therapists and relatives. Yet at 20, he had never made a true friend.”

Aus eigener Erfahrung und mit Blick auf diesen Artikel kann ich nur weiterhin feststellen, dass wir viel zu wenig über Autismus, die Menschen die mit diesem Leben und alles weitere was damit zusammenhängt wissen. Der Artikel ist aber ein toller Anfang, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

NYTimes – Autistic and Seeking A Place In An Adult World – von Amy Harmon